Was ist ein Trauma?

Traumadefinition

Die Erlebnisse und Eindrücke sind so überwältigend, dass sie die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten der betroffenen Person vorübergehend oder dauerhaft überfordern. Eine solche Erfahrung verstört, erniedrigt und hat oft eine dauerhafte Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses zur Folge. «Die Welt hat sich für die Betroffenen verändert, nichts scheint mehr so zu sein, wie es vorher war».

Traumatisierend können nicht nur belastende Erlebnisse sein, die man am eigenen Leib erfahren muss, sondern auch jene, in denen man Zeuge oder Zeugin wird:

  1. Wie einem anderen Menschen etwas Lebensbedrohliches zustösst.
  2. Bei der man aus zweiter Hand erfährt, dass einem geliebten Menschen etwas Schreckliches widerfahren ist.
  3. Situationen, in denen man durch den direkten Kontakt mit traumatisierten Menschen und deren Schilderungen immer wieder mit D

Ereignisfaktoren

Existentielle Herausforderungen und traumatische Erfahrungen führen nicht zwangsläufig zu einer seelischen Erkrankung bzw. zu einer Traumafolgestörung. Ausschlaggebend ist das subjektive Erleben der Bedrohung durch die betroffene Person. Dieses hängt u.a. von der Intensität des traumatischen Ereignisses und der Art seiner Verursachung ab:

Je intensiver, brutaler und häufiger traumatische Erfahrungen erlebt werden, desto höher ist insgesamt das Risiko eines seelischen Traumas. Bei (jungen) Geflüchteten liegt oft eine komplexe Traumatisierung vor, die über einen längeren Zeitraum und durch verschiedene Ereignisse vor, während und nach der Flucht entstanden ist. Die einzelnen traumatischen Erfahrungen verstärken sich gegenseitig und führen in ihrer Kumulation zu einer psychischen Gesamtbelastung, die über die Folgen des einzelnen Ereignisses hinausgehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von sequentieller Traumatisierung.

Für das subjektive Erleben macht es zudem einen grossen Unterschied, was genau passiert ist. Man differenziert zwischen

  1. plötzlich auftretenden, unvorhersehbaren und/oder unbeabsichtigten Ereignissen (z. B. Natur- oder technische Katastrophen) und
  2. von Menschen absichtlich verursachte Ereignisse (man-made-disasters).

Die schwerwiegendsten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben wiederholte und von Menschen verursachte traumatische Ereignisse wie Krieg, Verfolgung, Folter und/oder sexuelle Gewalt, im schlimmsten Fall verursacht von Menschen, zu denen eine starke persönliche Bindung besteht. Sie schädigen das Grundvertrauen in andere Menschen und in die Welt besonders tief. Solchen Erfahrungen waren Geflüchtete häufig ausgesetzt.

Schutzfaktoren

Ob und in welchem Ausmass Kinder und Jugendliche traumatische Erlebnisse bewältigen können, hängt nicht nur vom Ereignis, sondern auch von den Lebensbedingungen im Aufnahmeland und den persönlichen Ressourcen ab (z.B. stabile familiäre Bindungen, soziale Unterstützung, Aufenthaltssicherheit, materielle Ressourcen sowie persönliche Fähigkeiten). Zu den persönlichen Fähigkeiten gehören:

  1. Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit, Ausdauer, Ausgeglichenheit, Flexibilität, Kreativität.
  2. Einstellungen wie Optimismus, Sinnhaftigkeit und Religiosität.

Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können eine Traumafolgestörung begünstigen:

  1. Ein tiefes Lebensalter
  2. Unsicherer Aufenthaltsstatus
  3. Prekäre Wohnverhältnisse
  4. Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten
  5. Fehlende Perspektiven

Grundsätzlich gilt: je verletzlicher die Persönlichkeit und je prekärer die aktuelle Lebenssituation eines Kindes oder Jugendlichen ist, desto höher ist das Risiko, an den Folgen von traumatisierenden Erfahrungen zu erkranken.

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